Harald Groß im Podcast von Education minds

Lob den faulen Trainer.innen – Podcastfolge mit Yvo Wüest

„Wie können wir Lernen bestmöglich auslösen?“, um diese Frage geht es im Podcast #069 bei Education Minds von Yvo Wüest.

Schon die Frage sorgte im Gespräch für ein wenig Verwirrung. Der Schweizer Gastgeber Yvo Wüest dachte beim Wort „auslösen“ zunächst an den Weg zum Pfandleihaus. Die sprachlichen Hürden zwischen schweizer Deutsch und deutschem Deutsch konnten wir rasch klären.

„Lernen auslösen“ verstehe ich, wie von Yvo Wüest richtig vermutet, als „Lernen ermöglichen“ im Sinne der Ermöglichungsdidaktik von Rolf Arnold von der Universität Kaiserslautern. In der Podcastfolge stelle ich ein paar Wege vor, mit denen wir die Wahrscheinlichkeit steigern können, dass Lernen in unseren Trainings und Seminaren ausgelöst wird.

Faul sein

Eine dieser Möglichkeit: Faul sein. Gute Trainerinnen und Trainer lassen die Teilnehmenden in ihren Seminaren viel tun. Warum? Aus der Lernforschung wissen wir: Je aktiver sich die Lernenden mit dem Stoff auseinandersetzen, desto höher die Verarbeitungstiefe. Also gilt für Lehrende der Grundsatz: „Weniger machen, mehr machen lassen!“ Das ist, wer schon trainiert oder unterrichtet hat, weiß dies, leichter gesagt, als getan. Denn die Verlockung, selbst viel zu sagen, ist groß. Trainerinnen und Trainer, denen eine hohe Lernwirksamkeit ihrer Seminare wichtig ist, nehmen sich bewusst immer wieder zurück und schaffen Raum, in dem die Teilnehmenden zum Zuge kommen können.

Warten

Die zweite vorgestellte Kuns ist das Warten. Im Podcast stelle ich die Ergebnisse der Wartezeitenforscherin Marry Budd Rowe vor. Sie hat Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht beobachtet. Dabei fiel auf, dass viele Lehrende ungeduldig sind. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Frage stellen. Häufig warten Lehrerinnen und Lehrer zwischen Frage und Antwortaufruf nur eine Sekunde. Schon drei Sekunden Wartezeit, so Marry Budd Rowe, haben große Effekte auf den Lernerfolg. Mehr Lernende können über die Frage nachdenken, die Antworten werden durch die Wartezeit durchdachter und inhaltlich richtiger. Und auch auf die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer haben die wenigen Sekunden gute Einflüsse. Sie haben mehr Zeit über den weiteren Kursverlauf nachzudenken.

Zwischenbilanzen

Ein dritter Lernbeschleuniger sind sogenannte Zwischenbilanzen. Momente, in denen alle Lernende Gelegenheit haben, zu prüfen, was sie bereits gelernt haben. Und zu schauen, wie sie das neu gewonnene Wissen oder die erworbenen Fähigkeiten nutzen wollen. Ich plädiere dafür, früh und häufig Zwischenbilanzen zu ermöglichen. Wenn Lernende hier von Unklarheiten oder Widerständen berichten, freue ich mich. Denn jetzt, zu diesem frühen Zeitpunkt der Zwischenbilanz, kann ich als Trainer reagieren. Kommen die Bilanzmomente erst ganz am Ende eines Seminars, kann ich nicht mehr gut reagieren.

Hören Sie rein in den Podcast. Der Dialog gibt nebenbei Einblick in mein neues Didaktikbuch „Lernwirksame Seminare entwickeln und durchführen“ im GABAL-Verlag und in die Train the Trainer Ausbildung in Berlin.

Der Podcast bei Spotify:

Der Podcast bei Apple Music:


Yvo Wüest

Yvo Wüest lebt in der Schweiz. Er ist Fachmann für didaktische Reduktion und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der didaktischen Königsdisziplin, der Stoffreduktion. Für alle, die wirklich lernwirksame Seminarkonzepte entwickeln wollen, bietet er nützliche Hilfestellungen.

Zwei Tipps zum Schluss:

Im Beltz Verlag veröffentlichte Yvo Wüest das Buch „Mini-Handbuch Didaktische Reduktion“. Es ist Pflichtlektüre für alle, die in Unternehmen Trainings anbieten oder an Hochschulen lehren.

Schöne Anregungen zur Frage, wie wir uns und andere motivieren können, gibt es auch bei Challenge Coach Michael Wigge.



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