Munterrichtsmethode 27: Sicherheitscheck

aufschlussreich – richtungsweisend – erleichternd

Manche Themen sind für die Lernenden herausfordernd. Entweder weil sie kognitiv schwer zu knacken sind oder weil es zur Entwicklung einer Fertigkeit viel Übung braucht. Für uns Lehrende gibt es dabei ein paar verunsichernde Fragen: Haben die Lernenden die Sache verstanden? Wenn nein, wo genau hängen sie fest? Was brauchen sie, um es leichter zu verstehen?

Solange wir nicht wissen, wo die Lernenden stehen, können wir sie schlecht unterstützen. Die Methode Sicherheitscheck kann da eine gute Hilfe sein. So funktioniert sie:

Im Seminar haben Sie eine komplizierte Sache bearbeitet. Sie wenden sich an die Lernenden: „Bevor wir weitergehen, habe ich eine Bitte an Sie. Wir haben uns mit dem Geburtstagsproblem in der Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt. Wir machen einen kurzen Sicherheitscheck. Nutzen Sie dazu den Bogen mit der Skala von 0 bis 10. Überlegen Sie, wie sicher Sie sich mit dem Geburtstagsproblem fühlen. Wenn Sie sich sehr unsicher fühlen, dann kreuzen Sie die 0 an. Wenn Sie finden, Sie sind toptrittfest, dann die 10. Oder eben dort zwischen 0 und 10, wo es Ihrem Gefühl am besten entspricht. Schnappen Sie sich einen Stift und kreuzen Sie die entsprechende Zahl an.“

Die Lernenden machen ihr Kreuz. Das geht in der Regel ganz flott. Jetzt schreiben Sie drei Fragen an:

1. Wie sicher fühle ich mich im Thema?
2. Weshalb?
3. Was brauche ich, um weiter Richtung 10 zu kommen?

Bitten Sie die Teilnehmenden, ihren Nachbarn zu berichten, wie sicher sie sich fühlen – und weshalb. Und zu überlegen, was sie brauchen, um weiter Richtung 10 zu kommen. Ermuntern sie die Lernenden, die wichtigsten Maßnahmen dazu zu notieren.

Durch die bereits angekreuzte Ziffer fällt die Beantwortung der Fragen meist leicht. „Ich habe eine 7 angekreuzt. Das mit den Primzahlen habe ich verstanden, grundsätzlich. Aber die Anwendung fällt mir noch schwer. Ich bräuchte jetzt Übung, müsste das ausprobieren.“ Oder: „Bei mir ist es die 4. Mir ist einfach nicht klar, wie genau ich die Formel herleiten muss. Solange ich das nicht kapiere, komme ich nicht weiter.“

Nach einigen Minuten bitten Sie die Teilnehmenden zum Ende zu kommen: „Ich freue mich, wenn Sie mir sagen, welche Ziffer Sie gewählt haben. Das ist für mich eine wertvolle Information. So weiß ich, wie es Ihnen mit unserem Thema geht, und kann beim nächsten Mal entsprechend darauf eingehen. Prima, wenn Sie auch erzählen, was Sie noch brauchen, um weiter Richtung 10 zu kommen.“

Das Schöne am Sicherheitscheck: Einige Probleme lösen sich schon in dem Moment, in dem sie benannt werden. Und hinsichtlich der meisten anderen Probleme haben ab jetzt andere Lernende oder Sie die Möglichkeit, mit Hilfen, Beispielen und Erklärungen genau dort anzusetzen, wo der Schuh drückt. Und dann kann sicher weitergelernt werden.

Der Bildungsforscher John Hattie fordert in seinem Buch „Visible Learning“ Lehrende auf, den Lernprozess sichtbar zu machen. Also den Lernenden viele Gelegenheiten zu geben, sich und ihren Lehrenden deutlich zu machen, wo im Prozess sie gerade stehen, was sie brauchen, um weiterzukommen. Vermutlich würde Hattie der Sicherheitscheck gefallen …

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